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Leserinnenbrief: Was kann Kunst?

Was kann Kunst?

Der Disput um einen in Fachkreisen höchst umstrittenen Kunstankauf in Steyr – es wurden vom Kulturstadtrat persönlich Werke, sogenannte “Guardians” ohne Beratung des Kulturbeirates erworben – gibt Anlass für grundsätzliche Bedenken:
Warum fehlen Fachberater, die meist kunstunkundige Politiker und
Politikerinnen bei ihren Ankaufsentscheidungen als Kunstexperten
unterstützen? Werden diese bei Ankaufentscheidungen bewusst gemieden?
Experten würden solche fraglichen Ankäufe wohl gewiss ablehnen! Wurde ausdiese m Grund der Kulturbeirat bei einem so prominent situierten Ankauf umgangen? “Bling-Bling Schrott” eines Autodidakten am Stadtplatz von Steyr als politischer Alleingang und Wille!
Politiker sind weder Kunsthistoriker noch in den wenigsten Fällen Kenner der modernen Kunst. Sie dürfen, sollen sogar Kunst mit öffentlichen Geldern, tunlichst nach Rücksprache mit Experten – Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Kunst für ihre Museen – erwerben. Die Motivation der Politik liegt hier meistens – an sich ehrenhaft  – vorrangig im Bereich der KünstlerInnenförderung.
Die Umgehung von Experten hat, wie der Fall Steyr zeigt, fatale Auswirkung:
Künstler bekämpfen einander, Politiker kommen in die
Rechtfertigungsbredouille, der historische Stadtplatz Steyr verkitscht!
Wer grundsätzlich die Meinung von Experten negiert, wird Orte/Städte, den öffentlichen Raum, mit “Unkunst” beglücken. Zahllose fatale, unglückseelige “Kunstbrunnen”, oft “künstlerische Beschübschungsprojekte”, simpel Kitsch genannt, sprechen von einem nicht vorhandenen Wissen um Qualitätskriterien
der Kunst. Viele Ortsplätze verkommen zum billigen, effektheischenden Eventspektakel, oft beruhend auf Gefälligkeitsankäufen. Im besten oder schlimmsten Fall vergammeln diese Projekte. Kein Wasser fließt im Brunnen,
die Skulpturen sind dem gegenwärtigen und zukünftigen Vandalismus preisgegeben.
Gut vernetzte Eventspezialisten haben für sich eine wohl perfekt
funktionierende Marketingstrategie entwickelt, – über dieses
Anbiederungstalent und die offensichtlich skrupellose Geschäftstüchtigkeit kann man nur staunen. Wenn Politiker, Kulturstadträte –  auf eben diese Eventmache setzen und darauf hereinfallen, ist das ein typisches Zeichen unserer kunst- und kulturfeindlichen Zeit, einer echten Unkultur, aber auch
eines immer größer werdenden Bildungsmangels in allen Geisteswissenschaften.
In Zeiten, wo die geisteswissenschaftliche Grundausbildung am Schulplan verschwindet – Musik, Literatur und Bildnerische Erziehung im Lehrplan stundenmäßig verkürzt werden, Exkursionen zu Museen oder Theater, die Begegnung mit echter Kunst und Kultur, schon in der Schulzeit unmöglich gemacht wird, sind derartige Fehlentscheidungen vorprogrammiert.
Wenn geisteswissenschaftliche, allgemein bildende Fächer ganz vom Lehrplan gestrichen bzw. gekürzt oder im entweder/oder Prinzip angeboten werden, ist eine Verrohung kultureller Umgangsformen voraussehbar. Fehlende vertiefende
Kenntnisse der internationalen Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte werden zur schmerzlichen Fehlstelle in unser Allgemeinbildung mit fatalen Auswirkungen, – auch politische Entscheidungsträger, wie aktuell in Steyr ersichtlich, sind davon nicht ausgenommen.
Neben dem aktuellen Fall in Steyr ein Fallbeispiel in Linz:
Die Skulptur eines international anerkannten Bildhauers, Eduardo Paolozzi (1924-2005), ein wichtiges Denkmal der Linzer Stadtgeschichte, das der Ludwig Stiftung gehört, versinkt vor dem Brucknerhaus in der Sandburg-Bar.
Sie wird als Abstellmöbel, Sitzfläche, Gläser- und Liegestuhlablage für die danebenliegende Bar umfunktioniert. Das am Kunstmarkt sehr wertvolle, in Fachkreisen anerkannte Meisterwerk der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts entstand anlässlich Forum METALL im Jahr 1977. Es wurde vom englischen Bildhauer als Auftragsarbeit für ein internationales Symposium geplant und konstruiert, –  mit Bezug auf Anton Bruckner. Ein spezifisches Werk für ebendiesen Platz vor der Konzerthalle. Heute ist es ein unliebsames Bronzeobjekt, das im Sand eines Barbetriebes mit
Eventveranstaltungscharakter versinkt und verrottet.
Auch diese Respektlosigkeit im Umgang mit einem Kunstwerk, dem noch dazu Schaden und Zerstörung droht, macht deutlich, dass wirtschaftliche Wertigkeiten wichtiger sind und “Eventkultur” – die Guardians aus Steyr zählen ebenfalls dazu –  hochqualitative Kunst längst überflügelt haben.
Auch viele andere Skulpturen im Donaupark sind beschmiert, dem Vandalismus preisgegeben.
Wer ohne künstlerische Bildung aufgewachsen ist, wird kaum Respekt vor den Werken der Künstler und Künstlerinnen zeigen, hat keine Ahnung vom Umgang mit ihnen, und wird auch keine Qualitätskriterien der Kunst erkennen, respektive beurteilen können.

Dr.in Kordula Schmidt, Öffentlichkeitsarbeit VAÖ

Leserinnenbrief an die OÖN und die Kronen Zeitung: “Casino im Museum? Mit Kunst und Kultur darf nicht gezockt werden!!”

Casino im Museum? Mit Kunst und Kultur darf nicht gezockt werden!!

Die Kulturhauptstadt sollte die Umwidmung des Lentos nicht einmal andenken!

Nach jahrelangen Anstrengungen wurde aus der Industriestadt Linz die europäische Kulturhauptstadt, mit einem weiteren Wahrzeichen – dem Lentos. Auch wenn Linz nicht mit Kulturmetropolen konkurrieren kann, oder gerade deshalb, ist es wichtig entsprechende Angebote vor Ort zu forcieren. Und nun spielt jemand mit dem Gedanken, das Lentos zu beschneiden und nur für „Randgruppen“ geöffnet zu lassen. Fürs Geschäft soll ein Casino dort einziehen. Das wäre ein echter Niedergang.

Müssen  die Oberösterreicher/Innen nun wieder nach Wien pilgern um zusätzlich Kunst zu sehen? Oder werden sie aus Zeit und Kostengründen darauf verzichten? Anstatt Kunst und Kultur ins Randgruppeneck zu drängen, wäre es wichtig,  Interesse an Kunst und Kultur zu wecken! Der VAÖ (Verband der Akademikerinnen) organisiert immer wieder Führungen im Lentos. Befassung mit Kunst und Kultur öffnet den Geist, regt zum Denken an und ist daher für das Zusammenleben und die Weiterentwicklung einer Gesellschaft förderlich.

Mit Kunst und Kultur darf nicht gezockt werden!

Dr.in Kordula Schmidt, Öffentlichkeitsarbeit VAÖ